Wintersemester 16/17

Dozenten: Birgit Stammberger, Burghard Weiss
Zeit und Ort: Montags, 18:30-21:30 Uhr, 14 tägig im Hörsaal des IMGWF

„Die Hydra der Lust oder die Sklaven der Sucht. Abhängigkeit und Suchterkrankungen im Film“ (Wahlfachbereich im Wintersemester 2016/2017)

Sucht ist ein Zustand, den jeder schon einmal erlebt hat: Wir sind süchtig nach Gummibärchen oder Schokolade, nach dem geliebten Menschen oder nach Erfolg und Anerkennung. Wegen seiner vieldeutigen Verwendung von der Sehnsucht bis zur Alkoholsucht hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits Anfang der 1960er-Jahre den Begriff der Sucht durch den der Abhängigkeit ersetzt. Abhängigkeit beschreibt Formen der substanzgebundenen Sucht. Wer abhängig ist, strebt nach einem Zustand, für dessen Erreichung oftmals Dinge unternommen werden, die rational nicht zu erfassen sind, mit dem das eigene Leben gefährdet wird oder der einen von Gesellschaften unerlaubten Gebrauch von Substanzen darstellt. Die Betroffenen wissen oftmals von den selbstschädigenden Wirkungen, kommen jedoch von dem Verlangen nicht los. Etymologisch leitet sich Sucht aus dem Wort Siechen ab und umfasste bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Leiden an einer Krankheit im Allgemeinen. Im Sprachgebrauch und in den Medien wird der Ausdruck Sucht auch weiterhin verwendet. Welche Unterschiede kommen mit den Begriffen Sucht und Abhängigkeit ins Spiel und wie lassen sie sich voneinander abgrenzen? Ist ein Schmerzpatient, der auf die Einnahme von Morphium angewiesen ist, abhängig? Und welche historischen, aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen lassen sich aus der Betrachtung von Sucht und Abhängigkeit ableiten?

In diesem Semester werden wir uns mit verschiedenen Formen der Abhängigkeit und deren Thematisierung in Spiel- und Dokumentarfilmen beschäftigen. In den unterschiedlichen Medienformaten werden Abhängigkeiten und Suchtverhalten mal dokumentarisch begleitet, mal filmisch inszeniert, komödiantisch überhöht oder politisch instrumentalisiert, immer werden aber darin kulturelle und individuelle Problematiken verhandelt. Anhand filmischer Figuren des Drogenkonsums, der Sexsucht oder der Alkoholabhängigkeit wird zu diskutieren sein, ob und wie die Beschäftigung mit medizinischen Phänomenen der Sucht zugleich auch zu einem Verständnis von Gegenwartkulturen beitragen könnte.

Termine 

 24.10.2016
Einführung: Was heißt es, sich mit Filmen zu beschäftigen?

7.11.2016
Film 1: Der Mann mit dem goldenen Arm, Regie: Otto Preminger, USA 1955, 119 min

21.11.2016
Film 2: Lost Weekend, Regie: Billy Wilder, USA 1945, 96 min

5.12.2016
Film 3: Thank you for smoking, Regie: Jason Reitmann, USA 2005, 92 min

19.12.2016
Film 4: Seht mich verschwinden. Die Geschichte der Isabelle Caro, Regie: Kiki Allgeier, D 2015, 85 min

23.1.2017
Film 5: Trainspotting, Regie: Danny Boyle, UK 1996, 94 min

6.2.2017
Film 6: Fellinis Casanova, Regie: Federico Fellini, IT 1976, 148 min